Land und L-Bank starten neues Programm „MikroCrowd“

Stuttgart | 13.04.2017 | Programm „MikroCrowd“: Startkapital und Know-how für Kleinstgründer aus Baden-Württemberg
Neue Plattform für Crowdfinanzierung ist online Neue Plattform für Crowdfinanzierung ist online (Bild: pixabay)

„Baden-Württemberg ist bereits ein attraktiver Standort für Start-ups und traditionell ein Land der Tüftler, Denker und Existenzgründungen. Doch damit können und wollen wir uns nicht zufrieden geben. Unser Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für innovative Gründungen noch weiter zu verbessern und Baden-Württemberg zu einer der gründerfreundlichsten Regionen Europas zu machen“, erklärte Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut heute (11. April) in Stuttgart bei der Vorstellung der neuen Mikrofinanzierung.

„Wir werden künftig noch stärker als bislang auch die Gründung von Einzel- und Kleinstunternehmen unterstützen. Sie tragen insbesondere im Handwerk, im Handel und im Dienstleistungsgewerbe zur unternehmerischen Vielfalt, zu neuen Arbeitsplätzen und zu einem diversifizierten Dienstleistungs- und Warenangebot bei. 90 Prozent aller Unternehmen in Baden-Württemberg sind solche Mikrounternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten. Mit unserem neuen und bundesweit einmaligen Programm ‚MikroCrowd‘ wollen wir der Gründungsdynamik in diesem Bereich einen neuen Schub geben“, so die Wirtschaftsministerin weiter.

Startkapital und Know-how für Kleinstgründer

Mit Einführung einer „Mikrofinanzierung“ will das Wirtschaftsministerium einem Marktversagen in der Finanzierung von Soloselbständigen und kleinen Start-ups in der frühen Gründungsphase entgegenwirken. Trotz vielfältiger Angebote habe sich gezeigt, dass Start-ups mit einem Kapitalbedarf von unter 25.000 Euro von der Gründungsförderung bisher weniger gut erreicht würden, erläuterte Hoffmeister-Kraut. „Gründerinnen und Gründer, die keine großen Investitionen für die Betriebs- und Geschäftsausstattung oder Maschinen benötigen, sind hier bislang häufig durchs Raster gefallen, weil ihr Kapitalbedarf unterhalb der üblichen Hausbankenfinanzierung lag.“

Mit dem neuen Programm „MikroCrowd“ bekommen Kleinstgründer in Baden-Württemberg künftig genau das, was sie brauchen: ausreichend Startkapital und Know-how durch ein vorbereitendes Coaching in Business und Marketing. „MikroCrowd“ verzahnt neue und etablierte Formen der Gründungsfinanzierung, konkret ein L-Bank Darlehen mit einer Finanzierung durch Crowdfunding. Zielgruppe sind unter anderem junge Gründer und Querdenker aus web- und logistikbasierten Start-ups. Gründungen im Bereich Digital Services, Arts & Crafts, Design, Food, Mode, Ökologie oder Kommunikation stehen dabei im Fokus.

Plattform für Crowdfinanzierung geschaffen

Auf einer neuen Plattform für die Crowdfinanzierung können Gründungswillige künftig ihre Projekte nach einer Beratung durch die L-Bank und ihrer Partner online platzieren und vorstellen. Nach positiver Prüfung der Idee startet die Crowdfunding-Phase, in der die Funding-Schwelle erreicht werden muss. Diese entspricht mindestens 50 Prozent des Finanzierungsbedarfs. Wird das Fundingziel nicht erreicht, kommt keine Finanzierung zustande. Haben sich genügend Unterstützer gefunden, kann ergänzend ein Darlehen in Höhe von bis zu 50 Prozent (maximal 10.000 Euro) gewährt werden.

Das Besondere daran sei, dass eine Unternehmens- bzw. Produktidee somit bereits vor dem Unternehmensstart vor einer breiten Öffentlichkeit gepitcht werde und die Gründungswilligen damit bereits ein realistisches Feedback erhalten, ob und wie ihre Geschäftsidee am Markt ankomme, so die Ministerin.

Alternative: Direktdarlehen der L-Bank

Alternativ zur Crowd-Variante kann nach der Gründungsberatung auch ein Direktdarlehen der L-Bank über max. 80 Prozent des Finanzierungsbedarfs beantragt werden. Der max. Finanzierungsbedarf im Rahmen dieser Mikrofinanzierung beträgt 12.500 Euro – in der reinen Fremdkapitalvariante kann das Start-up Unternehmen somit einen Direktkredit über 10.000 Euro von der L-Bank erhalten. Diese zweite Variante soll vor allem Gründungsvorhaben abdecken, die weniger Crowdfunding-geeignet sind, zum Beispiel unternehmensnahe Entwicklungs- oder Beratungsdienstleistungen.

„Zum Laufzeitende beider Varianten erfolgt eine automatische Vermittlung an die Hausbanken zur Anschlussfinanzierung mit dem Ziel, die folgenden Wachstumsschritte mit einer Hausbankbegleitung umzusetzen“, erläuterte Axel Nawarth, Vorstandsvorsitzender der landeseigenen L-Bank, die das Programm im Auftrag des Ministeriums umsetzt.

Innovationsfonds BW bald unter Dach und Fach

Ein weiterer wesentlicher Baustein der Start-up-Strategie des Landes ist es, unter Einbeziehung privater Investoren eine deutliche Verbesserung des Risikokapital-Angebots im Land zu erreichen. „Wir brauchen im Land ausreichendes Risikokapital, damit gerade die wagemutigsten und fähigsten Köpfe mit den innovativsten Geschäftsmodellen hier auch eine adäquate Finanzierung erhalten und nicht abwandern“, betonte die Ministerin. Deshalb arbeite ihr Haus derzeit gemeinsam mit der L-Bank mit Hochdruck an einem neuen VC-Fonds. Hoffmeister-Kraut: „Ich bin zuversichtlich, dass wir sehr zeitnah mit unserem neuen Fonds an den Start gehen werden. Unser Ziel ist es, ein Risikokapitalfondsvolumen von 50 Millionen Euro zu erreichen.“

Ausblick auf weitere Start-up-Aktivitäten des Landes

„Unser Ziel ist es, den Gründerstandort Baden-Württemberg noch attraktiver und in Deutschland und der Welt sichtbarer zu machen. Das gelingt uns nur, wenn wir die vielfältigen erfolgreichen Aktivitäten, die übers ganze Land verteilt sind, noch besser vernetzen und bekannter machen.“ Das Wirtschaftsministerium erarbeite deshalb derzeit ein Konzept für eine landesweite Start-up-Kampagne und ein Portal, das beides auf einem großen Start-Up-Gipfel am 14. Juli auf der Messe Stuttgart gemeinsam mit dem Staatsministerium und den Finanzpartnern L-Bank und der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft vorgestellt werden soll.

„National wie international ist schon länger ein stark umkämpfter Wettbewerb um die besten Start-ups entfacht. Baden-Württemberg muss diesen Wettbewerb noch offensiver annehmen, seine Stärken als Start-up-Standort besser bündeln und vermarkten und in der Entwicklung, Betreuung und Finanzierung von skalierbaren Geschäftsmodellen internationales Top-Niveau erreichen“, betonte Hoffmeister-Kraut.

Das Wirtschaftsministerium fördert das neue MikroCrowd-Produkt für die nächsten vier Jahre mit insgesamt ca. 445.000 Euro.

Quelle: Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau
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